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Hund-Fu

17. Juni 2011

Die hohe Kunst der Erziehung

Ein Hund kommt ins Haus, oh wie schön. Und spätestens dann wenn das Tier grinsend deine Sofakissen markiert, deine Lieblingsschuhe zerfetzt und nebenbei deinen Kater berammelt, solltest du dir als Hundebesitzer Gedanken machen,vielleicht doch einmal eine Hundeschule aufzusuchen. Natürlich kann man den Köter in Ketten legen und ihm einen Maulkorb umschnallen, aber letztendlich wird das sicher keine Dauerlösung sein.

Im Idealfall läuft das ganze etwa so ab, du bekommst im Alter von acht bis zwölf Wochen einen Welpen an die Hand.. Oh wie süß! Zu diesem Zeitpunkt solltest du dir schon die Hundeschule deines Vertrauens ausgesucht haben, sonst wirds eng. Der Markt ist groß, und die Unterschiede noch größer. Was durfte ich alles sehen, bevor ich mich entschieden habe. Leute mit wenig oder gar keiner Ahnung die mir schon beim ersten Gespräch mitteilten das es bei Ihnen eine anti-autoritäre Ausbildung mit ausschließlich positiver Bestärkung gibt. Ich hatte plötzlich das Bild eines Freundes aus der Kinderzeit im Kopf der genau so erzogen wurde, und war der Meinung das grenzenlose Freiheit wohl nichts für meinen Hund ist. Ich verließ den Platz dieser Dame bevor sie die Chance hatte „Kumba Ya my Lord“ anzustimmen und mir einen Jutetee anzubieten. Das tat ich, um dann an Madame Feldwebel zu geraten, die mir im Kasernenhofton erklärte das die Tiere bei ihr zu parieren haben. Spaß gibt´s nicht. Ich weiß nicht mehr genau ob sie das sagte bevor oder nachdem sie sich die kubanische Zigarre anzündete und die Einstellung eines Elektroschockhalsbandes überprüfte. Nein, auch das war nix für mich. Auf uniformierte Frauen mit kubanischen Zigarren hatte ich keine Lust! Ich bin doch nicht Che Guevara. Nun ich hab lange gesucht bis ich im Internet auf Gundels Hundeschule gestoßen bin. Gebeutelt von den Erlebnissen der Tage zuvor traf ich mich mit ihr. Basierend auf meinem davor erhaltenen Wissen, war meine Erwartung nicht sonderlich hoch. Was soll ich sagen, Ihre Aussagen und Ansichten klangen doch recht plausibel. Weder Jutetee noch kubanische Zigarren waren zu sehen, zumindest nicht auf den ersten Blick. Ihr Outfit hatte auch nichts von Marines, Special Forces, oder Bhagwanjünger, und so entschloß ich mich Gundel als Ausbilderin für meinen kommenden Begleiter auszuwählen. Nachdem Tari mit 8 Wochen zu uns stieß, fing in der Welpenstunde auch gleich die Ausbildung an.

In Gundels Hundeschule, oder vielmehr ihrem Dojo, werden Menschen und Vierbeiner in der hohen Kunst des Hund-Fu unterwiesen. Diese traditionelle, seit Jahrhunderten entwickelte Philosophie im Zusammenleben zwischen Zweibeinern und Hund, stellt den Novizen (Vormals bekannt als „der Nicht-Hundebesitzer“) auf eine oder auch mehrere harte Proben. Vielleicht kennt ja jemand den klassischen Eastern „die 36 Kammern der Shaolin“. (Für den der dieses geniale Machwerk nicht kennt.. http://de.wikipedia.org/wiki/Die_36_Kammern_der_Shaolin) Unter uns gesagt, diese 36 Kammern sind gegen die Ausbildung in Hund-Fu ähnlich gefährlich und anstrengend wie ein Goldhamster auf Valium.

Hund Fu an sich besteht aus mehreren Wegen, in der Sprache der Hund-Fuisten auch Philosophie-Fährten genannt. Der Überblick ist anfangs recht verwirrend, da man sofort von der ersten Stunde an mit den verschiedensten Fährten konfrontiert wird. In späteren Beiträgen werde ich versuchen immer mal wieder auf eine der Fährten und ihre Unterkategorien einzugehen.

Als ersten Überblick kann folgende kurze Auflistung dienen.

1. Mantren Hund Fu

Im Mantren Hund-Fu geht es um den Ausdruck und die Kommunikation mittels Sprache. Der Novize lernt die klassischen Mantren des Hund-Fu´s zu rezitieren und im entsprechenden Moment anzuwenden. Ein wichtiges Matra ist z.B  das „Sitz Mantra“. Das Sitz Mantra gehört zu den ersten die man erlernt und die in Zusammenarbeit mit dem Vierbeiner zur Perfektion gebracht wird. Während des Sitz-Mantras wird der Novize dazu angehalten mit Stimme und fließender Bewegung den Vierbeiner dazu zu bringen, eine aufrecht auf den Hinterbeinen sitzende Position einzunehmen. Eine sehr spannende und bewußtseinsfördernde Erfahrung für Mensch und Tier. Weitere Mantren von hoher Bedeutung sind das Platz-Mantra, das Bleib-Mantra, und das Hier-Mantra. Diese  Mantren gehören zum Handwerkszeug eines Hund-Fu Novizen wie das Stachelhalsband zu Spike. Sie zu erlernen und diese Unterfährte des Mantren Hund-Fu zu meistern, zählt zu den wichtigsten Herausforderungen einer Ausbildung auf dem Weg zum Meister.  Ist diese Stufe erst erklommen, wird sich den rituellen Gesängen „Nein“ „Aus“ und „Sauköter“ gewidmet. Aber auch dazu an andere Stelle mehr.

2. Die hohe Lehre der ewigen Hund-Fu Meister

Es gibt viele weise Männer und Frauen welche die Fährten des Hund-Fu zur Perfektion gebracht haben. Ein jeder von Ihnen prägte seinen eigenen Stil. Diese Stile zu kennen, zu interpretieren und die für sich am geeignetsten wirkenden Methoden zu übernehmen, ist eine der Aufgaben eines jeden jungen Novizen. Das Lesen von Schriften der großen Meister, angefangen bei Sensai Rütter, bis hin zu in Mitteleuropa eher weniger bekannten Lehrern aus den USA, man nehme einmal Sensai Milan, gehört zum harten Ausbildungsalltag. Das Erwerben dieses Wissens, steht in direkter Verbindung mit dem Kauf von mannigfaltigen Büchern, Broschüren und DVD´s. Dieser Wissensdurst verschlingt geradezu einen Großteil der Finanzmittel eines Novizen, und bringt ihn mit unter in schwere Situationen, vor allem wenn er einen Labrador zu verköstigen hat, was durchaus auch in die Millionen gehen kann. Fazit: Die hohe Lehre des Hund-Fu ist ein kostspieliges, aber durchaus erstrebenswertes Vergnügen.

3. Hund-Fu der Konditionierung

Ein Novize wird recht früh auf seinem Weg zur Meisterschaft begreifen, das die hohe Lehre und die Mantren allein nicht ausreichen. Schnell wird er erkennen, das es darum geht dem Hund mithilfe von Leckerchen, vielen Leckerchen und nochmal Leckerchen beizubringen gewisse Dinge zu tun, und das sogar mit viel Enthusiasmus und entsprechendem Erfolg. Alleine die Unterfährte „Fuß-gehen“ verschlingt viel Geschick, Arbeit und Hingabe. Nur wenige erreichen in dieser Disziplin die Erlaubnis, sich Meister nennen zu können. (Über die Hund-Fu Fährte „Fuß-gehen“ ist eine eigene Abhandlung geplant)

4. Hund-Fu mit Waffen aller Art

Eine im Alltag zwischen menschlichem und tierischem Novizen immer wieder gerne gelebte Fährte des Hund-Fu. Hierbei geht es um den korrekten und kombinierten Einsatz von todbringenden Waffen, wie Halsband, Leinen in allen Längen, Geschirr, Dummies,  Kacktüten, Clicker, und Pfeife. Auch hier gilt es für den Novizen Schritt für Schritt zu erlernen welch machtvolle Instrumente er oder sie hier zu Verfügung hat. Der richtige Einsatz all dieser Hilfsmittel macht aus Mensch und Tier, ein fast unschlagbares Gespann. Je nach Grad der erreichten Meisterschaft. Bei falscher oder nur unzulänglicher Ausbildung kann der Einsatz dieser Utensilien eine verheerende Wirkung erzielen. Vor allem auf die Umwelt des nicht ausgebildeten Tierführers. „Entschuldigen sie bitte, das mein Rottweiler gerade ihren West-Highland-Terrier gefrühstückt hat“ Diese oder andere Aussagen gehören in so einem Fall durchaus zum Alltag.

5.Rassen-Hund-Fu

Womit wir auch schon beim Rassen-Hund-Fu wären, denn kein vierbeiniger Novize ist so wie der andere. Durch ihre ethnische Herkunft vorbelastet reagieren verschiedene Hunde in manchen Situationen anders als andere. Im Rassen Hund-Fu lernen die Menschen damit umzugehen und bekommen Anleitung und Inspiration vermittelt um all die anderen Fährten mit einem maximalen Ertrag umzusetzen. Auch hier gilt, die Vermittlung des Rassen-Hund-Fu setzt das studieren vieler Standardwerke voraus, und während der Kontostand unaufhörlich sinkt, steigt die Zahl der Bücher in dem mittlerweile extra für diesen Zweck angeschafften Billy Regal. Den finanziellen Ruin vor Augen, vor allem, um es nochmal zu erwähnen in der Kombination mit der Verköstigung eines Labradors, beginnt der Novize, scharfäugig und unter sanftem Druck, die niedergeschriebenen Lehren aufzunehmen und zu seinem Credo zu erheben.

6.körperlicher Hund-Fu

Was dem gepflegten Drogendealer sein Hundekampf, ist dem Hund-Fuisten sein körperliches Hund-Fu.

Körperliches Hund-Fu teilt sich ebenfalls in viele Unterfährten. Angefangen bei der friedlichen Fährte der körperlichen Signale, die sich kombiniert mit den den hohen Mantren und den Techniken des Hund-Fu der Konditionierung einsetzen lassen. Bis hin zum körperlichen Hund-Fu der Fährte „Basta, jetzt reichts aber!“ Diese Fährte geht der Legende nach, auf den aus Asterix bekannten Legionär Haudraufundschluß zurück. Diese Fährte wird meist in der Positionierung des menschlichen Novizen über den tierischen Novizen eingesetzt. Gerne auch um zu klären, wer jetzt Herr über den Futtersack ist.

Gundel beherrscht viele Arten des körperlichen Hund-Fu´s und gelegentlich gibt sie eine Kostprobe ihrer Fähigkeiten. Darunter hervorzuheben sind unter anderem, der „Schnauzengriff der schwarzen Mamba“, der „Schrei des Dukommstindiewurst“, und der „Schulterschlag des linksdrehend fallenden Rüden“. Diese Techniken werden allerdings nur in Fällen höchster Not eingesetzt, oder wahlweise wenn die Kaffeemilch alle ist. In letzterem Fall allerdings wird es ausschließlich an den menschlichen Novizen angewendet.

Dies alles kann natürlich nur ein kurzer Abriss des Hund-Fu sein, und ich werde mich bemühen zukünftig tiefere Einblicke in diese Philosophie zu gewähren. Doch für heute genug davon. Gehet raus und beschreitet eure Fährten mit dem Wissen das ihr (noch) nichts wisst.


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