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Hunde-Hypochonder, Teil 1

28. Juni 2011

Okay, ich oute mich hier jetzt einfach mal, ich bin ein Hunde-Hypochonder! So, jetzt wißt ihr es! Was eigentlich recht erstaunlich ist, da ich für mich selber alle Gesundheitshinweise gepflegt in den Wind schlage. Ich rauche zuviel, ich trinke zuviel Kaffee, und ich habe eine Vorliebe für Fast-Food. Zumindest letzteres teile ich durchaus auch mit meinem Labbi.

Abseits von Gauloises, schwarzem Kaffee Döner und Co., neige ich trotzdem doch auch dazu mir die ein oder andere Krankheit einzubilden. Das kommt zwar selten vor, ist dann aber umso heftiger, und meist sofort todbringend… in meiner Vorstellung.  In Bezug auf meinen Hund potenziert sich das ganze dann allerdings ins unermesslich, meist lächerliche. Dieser Vorgang ist wie eine Achterbahn auf dem Weg zum Looping, oder eben ein Labrador auf dem Weg zum Futternapf… einfach nicht zu stoppen, es sei denn durch göttliches Eingreifen.

Sobald unser Wuff nur Piep macht, fängt mein Kopfkino an, in stark ausgeprägten Bildern bereits seine Einäscherung unter allen militärischen Ehren zu planen. Ich bin dann absolut überzeugt davon…das war´s jetzt. Und der Kopffilm mit dem Titel „the best of Tari´s young Life“ beginnt abzulaufen. All die schönen und verfressen Momente beginnen vor meinem inneren Auge vorbei zu ziehen. Im Hintergrund hört man ganz leise Chopins Trauermarsch. Das mag jetzt vielleicht höchst übertrieben dramatisch klingen, ich mach sowas wenn schon, dann gerne richtig.

Zum ersten gilt grundsätzlich, alle Erkrankungen von denen ich höre oder lese, treffen auf meinen Hund zu. Interessanterweise schaffe ich es jedesmal, die Symptome so zurecht zu biegen, das er sie definitiv zeigt. Das kann schon harte Arbeit sein, glaubt mir. Hab ich diese dann eindeutig erkannt wird beobachtet, und überlegt.. ja auch mal wieder die Einäscherung geplant… und dann irgendwie, wenn der Verstand beginnt wieder einzusetzen eben meist doch verworfen.

Manchmal aber eben doch nicht, und daraus können sich dann interessante Situationen entwickeln.

Zum Beispiel folgender Vorfall, den ich mal „Röntgenplatten aus Platin“ nennen will. Als unser Hund circa 4 Monate alt war, es geschah an einem Mittwoch, begann er plötzlich sich seines Futters über das Maul zu entledigen, auf gut Deutsch gesagt..er kotzte wie ein Reiher. Mal eine Ladung Futter rückwärts zu sich zu nehmen, und es dann sofort wieder zu recyceln war ein Vorgang der mir zu diesem Zeitpunkt schon bekannt war, und so machte ich mir erstmal noch keine großen Sorgen. Stutzig wurde ich erst, als es nicht aufhörte. So gegen 21.30 Uhr überlegte ich dann doch das es nicht normal sein kann, was da abläuft. Vor allem weil der Hund langsam anfing nur noch Speichel zu spucken, gepaart mit einem gelegentlichen Fiepen. Der Hypochonder in mir schlug jetzt Alarm! Ich schnappte mir das Telefon und klingelte meinen Tierarzt aus dem Feierabend. Es könnte sein, das der gute Mann auch schon geschlafen hat. Als ich ihm das schilderte was passiert war, forderte er mich mit „Sofort vorbeikommen“ zu einem Besuch in seiner Praxis auf. Dort angekommen war ich erst mal recht enttäuscht. Anstatt ein bis an die Zähne ausgestattetes Ärzteteam mit allen Notfallutensilien, fand ich dort nur den Arzt in Jeans und T-Shirt vor. „Hallo..mein Hund stirbt, wo ist das Rettungsteam“ ging mir so durch den Kopf. Der Arzt beugte sich herunter und fragte „Na was fehlt uns denn?“ Herr Labrador, nicht verlegen quittierte das mit einmal Speichelkotzen auf die Schuhe des Arztes, als wollte er sagen „siehste doch!“. Nach einer kurzen Untersuchung hieß es dann: „Wir müssen röntgen, könnte sein das er was verschluckt hat.“  „Na super“ dachte ich bei mir und sah vor meinem geistigen Auge bereits die Operation… „Schwester..Tupfer Zange.. Totenschein“. Zu allem Überfluß durfte ich während des Röntgens auch noch assistieren, da ja wie schon erwähnt niemand vom Hunde-Emergency Team bereitstand um mein Tier vor dem sicheren Tod zu bewahren. Nun, zwei Röntgenaufnahmen, eine Spritze, und einem Welpenfall vom Behandlungstisch (darauf will ich nicht näher eingehen) später, teilte mir der Arzt mit.. „Der hat sich nur den Magen verdorben“. Eine Tüte Diätfutter, und zwei Tabletten reicher, und 250 € ärmer stand ich keine 10 Minuten später recht verdattert auf dem Parkplatz vor der Praxis. Mein todgeweihter Hund schnupperte schon wieder fröhlich an irgendetwas rum, und ich sagte die bereits geplante Trauerfeier ab. Die hätte ich mir nach diesem Tierarzteinsatz auch gar nicht mehr leisten können, denn anhand des Preises ging ich davon aus, das zumindest die Röntgenplatten mit Sicherheit aus hochwertigem Edelmetall bestanden haben müssten.

Reicht das als Beweis? Noch nicht, gut, hier ein weiteres Beispiel, ich nenne es einfach mal „die Beulenpest“. Circa einen Monat nach dem Vorfall mit dem Röntgen, entdeckte ich bei meinem Hund zwei symetrische „Knubbel“ auf der linken und rechten Seite der Schnauze. Die sahen zu diesem Zeitpunkt aus wie die Elektroden von Frankensteins Monster. Erschrocken trieb mich der Hypochonder in mir an, diese einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Durch Abtasten stellte ich mit fachmännischem Griff fest, die sind fast identisch, lassen sich bewegen.. Und weh tun sie ihm auch nicht. Das reichte mir nicht, so zog ich als erstes das Internet zu Rate. Das gute alte Internet, und seine vielen Foren zum Thema Hund und Gesundheit, oder eher Krankheit. Interessanterweise fand ich nichts, was auch nur annähernd auf die Knubbel hindeutete. Das ließ folgende Schlüsse zu: 1. Mein Hund hat eine Krankheit, die noch keiner kennt. 2. Die anderen schauen einfach nicht genau hin! Und ihr glaubt es sicher nicht, ich machte mich auf den Weg zum … richtig, Tierarzt. Nein nicht gleich zum Hundeabdecker, das fand selbst mein innerer Hypochonder eine zu drastische Maßnahme.

Ich betrat die Praxis, diesmal sogar zu den regulären Öffnungszeiten, und der Tierarzt schaute sich die „Knubbel“ an. Seine Diagnose lautete:“ mal abwarten, keine Ahnung was das ist. Eventuell müssen wir ihn betäuben und eine Probe nehmen.“ Super, ich bezahlte die Rechnung, und half einmal wieder tatkräftig ihm die Platzgebühr für den Golfclub, oder wahlweise seine Mittelmeeryacht zu finanzieren und zog von dannen. Am nächsten Tag klagte ich mein Leid einer Bekannten, die mir empfahl, doch einmal Herrn Dr. Müller-Lüdenscheidt zu kontaktieren. Der wüßte vielleicht was das sein könne. Gesagt getan, ich rief Herrn Dr. Müller-Lüdenscheidt also an, und schilderte die „Auswüchse“ an der Schnauze meines Hundes. Der Herr Dr. hörte aufmerksam zu, und was nun folgte schreibe ich der selektiven Wahrnehmung meines inneren Hypochonders zu. Die Vermutungen die Herr Dr anstellte waren recht zahlreich und zu 98 Prozent klangen sie auch recht harmlos. Die interessierten mich aber nicht, den ich nahm nur zwei Sätze wahr, nämlich die für das schlimmste aller Szenarien. Die Fragmente der Sätze waren „Junghundekrebs“ und „erfolgreich entfernen durch großflächiges Herausschneiden“. Alles andere, mochte es noch so vernünftig klingen, erreichte mein Gehirn nicht. Auch den Hinweis,“ich müsste mir das für eine Diagnose erst mal ansehen“ ignorierte ich geflissentlich. Ich legte auf und, wer mag es mir verübeln, ich begann schon wieder die Trauerfeier inklusive Chopin zu planen, ja ein recht würdiger Abschied. Das dicke Ende kam aber noch. Ich wollte eine dritte Meinung. Gesagt getan und ab in die Tierklinik. Dort angekommen, beschaute sich eine junge Tierärztin das Maul meines Hundes. Diese rannte nach zwei Minuten los und holte ihre Kollegin. Nun standen sie zu zweit da und bestaunten meinen Hund als wäre er der Erstträger des Ebola Virus. Die vielen Fragezeichen im Raum waren geradezu greifbar. Eine der beiden netten Damen kam auf die Idee, mal eben den Chef zu fragen, und verschwand. Nur um weitere zwei Minuten später ohne Ergebnis wiederzukommen. Die erste Tierärztin kam dann auf die Idee, mal in ein Fachbuch des ersten Semesters zu schauen. Ah..dachte ich mir, ein Mensch mit Initiativgeist. Sie kam wieder und erklärte mir das an der Stelle Drüsen währen, die könnten verstopft sein, oder ähnliches. Und wer wagt es zu ahnen, sie empfahl mir ein paar Tage abzuwarten und zu beobachten. Bei der Diagnose Ebola hätte ich wenigstens gewußt woran ich bin. So hatte ich nun innerhalb zwei Tagen die Meinungen von 5! Tierärzten, aber keinen Befund. Nun, die Tage vergingen, und was soll ich sagen.. Die Beulen verschwanden wieder. Nicht das ich jetzt der Meinung wäre überreagiert zu haben. Nein. Das sicher nicht. Und ich befürchte fast das war nicht die letzte Aktion dieser Art…to be continued!

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From → Hundesachen

2 Kommentare
  1. Das kommt mir alles recht bekannt vor – so sind sie halt unsere Labbis.

  2. Nicole permalink

    Ich musste gerade wirklich schmunzeln ;o) und habe mich nahezu 1:1 darin erkannt ;o)

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