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Hund-Fu Wörterbuch, Teil 1

26. Juli 2011

Nachdem wir einen ersten Blick auf die Fährten des Hund-Fu geworfen haben, gilt es im nächsten Schritt einige Missverständnisse in Bezug auf den Sprachgebrauch aufzuklären. Im Mantren Hund-Fu und im allgemeinen Redebedarf werden Ausdrücke verwendet die für den Nicht-Hundebesitzer anfänglich verwirrend und meist doppeldeutig auslegbar sind. Die entsprechende Bedeutung muss geklärt werden um eine klare Kommunikation zwischen Mensch und Hund zu gewährleisten.

Hier einige Beispiele, die auf den ersten Blick verwirrend erscheinen mögen:

1. Das Kommando „Platz“

Platz ist für einen Menschen in Verbindung mit einem Hund eigentlich selbsterklärend, und genau darin liegt die Tücke dieses Befehls. Eigentlich müsste „Platz“ mit einem Warnhinweis versehen werden. Durch das falsche Ausführen dieses Kommandos können bei ihrem Hund nicht rückgängig machbare Schädigungen der Gesundheit auftreten. Zudem muss wenn so geschehen das Areal grundlegend gereinigt werden. Eine besondere Gefahr stellt dieser heimtückische Befehl für Hunderassen mit genetisch bedingtem absolutem Gehorsam und suizidalen Neigungen wie etwa dem „Designerhund“  Australian-Lemming dar. (Das aber nur am Rande)

2. Den Hund ansetzen

Hier sprechen wir nicht, wie vielleicht vermutet davon seinen Hund wie einen Rumtopf (geselliges Getränk der 70er Jahre) in einem dafür vorgesehenen Gefäß mit Hilfe von viel Alkohol trinkbar zu machen. Nein, von ansetzen wird geredet wenn ein Hund einer Fährte folgen soll. Angesetzt wird der Hund am Anfang der gelegten Spur, um Wild, Leichen, Drogen oder im Falle eines Labradors eventuell einen Hundekuchen zu finden. Diese nichtalkoholische Variante von „ansetzen“ kommt häufig in der Ausbildung von Jagdhunden zum tragen. Das Vollpumpen des Menschen per Alkohol (auch gerne besagter Rumtopf)  folgt im Anschluß an die erfolgreich absolvierte Fährtenausbildung im Clubhaus, oder wahlweise per Flachmann direkt vor Ort. Das Entladen der Schußwaffen im Vorfeld ist hier von höchster Bedeutung, da die Freunde des gepflegten Grüns sonst häufig zur Überreaktion neigen. Aufgrund dieser Überreaktion folgt sonst auf das Vollpumpen mit Alkohol häufig das gesellige gegenseitige Vollpumpen mit Blei.

3. Apport

Der unaufmerksame Leser wird jetzt vermuten das dies der Befehl an den Hund ist, möglichst gleich und ohne Umwege ein stilles Örtchen aufzusuchen um sich Erleichterung zu verschaffen. Mitnichten!  Dieser Apport ist auch nicht wie jetzt vielleicht irrtümlich angenommen, die Geld oder Sacheinlage eines Hundes in eine AG, vorzugsweise eine Futtermittel AG. Dieses Apport in der hohen Kunst des Hund-Fu ist wieder ein Begriff aus der klassischen Jagdhundausbildung. Es signalisiert dem Hund loszurennen und geschossenes Wild, in den meisten Fällen Geflügel zum Besitzer zu bringen. Größeres Wild wie z.B. Elefanten können dem Hund beim apportieren kleinere Probleme bereiten, aber der gut erzogene Hund wird dieses Problem sicher lösen. Das zurückbringen der Beute ist DIE Lebensbestimmung eines Retrievers. Natürlich abseits vom Fressnapfleeren. Sollte vorher keinerlei Vollpumpen unter den Jägersleuten stattgefunden haben, übergibt der Hund die Beute in die Hände des Hundehalters. Im umgekehrten Fall verfährt er mit dem Jägersmann ähnlich wie mit dem Elefanten.

4. Den Hund aufbauen

Okay… als ich das zum ersten mal gehört hab, war mir nicht so ganz klar was damit gemeint ist. Aufbauen.. Wie jetzt? Der geneigte Nicht-Hundebesitzer könnte jetzt davon ausgehen, hier wird seelische Unterstützung für einen unsicheren Hund geleistet, oder im Härtefall der Hund nach einer Rüdenbeisserei aus Teilstücken wieder zusammengesetzt. Das, liebe Novizen ist alles falsch.. Obwohl man(n) seinen Hund gelegentlich wieder mit Patex zusammenkleben muss. Aufbauen bedeutet im Sprachgebrauch des Hund-Fu, das Tier aus einem freudigen Spielmodus, in einen konzentrierten Arbeitsmodus zu bringen. Leider habe ich trotz intensivem Suchen noch keinen Knopf oder Schalter für diese Funktion am Hund entdeckt, und so wird das durch einige leichte Konzentrationsübungen gestartet. Das kann sich der Nicht-Hundebesitzer ungefähr so vorstellen, wie an alten Autos früher, per Kurbel der Motor in Gang gebracht wurde. Wenn er dann mal läuft, ist der Hund auch schwer wieder zu stoppen. Es sei denn es steht ein Futternapf oder ein Hase im Weg.

5. Schritt zur Seite, Fuß

Was sich hier anhört wie der neuste Sommertanz vom Ballermann, oder eine Variante der Bautzener Polonäse, ist in Wirklichkeit eine der Übungen im Hund-Fu die zum oben genannten „Aufbauen“ genutzt wird. Behände geht der Hundeführernovize einen Schritt, oder auch zwei nach links oder auch nach rechts, und vom Hund wird erwartet, das er aufmerksam den Schritten seines Führers folgt. (Witze zu Führer und folgen verkneife ich mir an dieser Stelle. „Sitz Blondie“) Durch diesen Kraftakt an Konzentration, stets unterstützt mit Klickgeräuschen oder banalen Futterstücken, beginnt der Hund zu bemerken.. Ah jetzt nix mehr spielen, jetzt arbeiten! Schritt zur Seite, Fuß ist also eine meditative Höchstleistung von Mensch und Tier.

6. Vorsitzen

Deutschland ist ja bekanntlich das Land der Vereine, und ein Vorsitzender zu sein, ist ein erstrebenswertes Ziel. Aber bitte, doch nicht für einen Hund. Vorsitzen bedeutet im Hund Fu nicht etwa, das Köter der Vorsitzende des Taubenzüchterclubs Castrop-Rauxel, oder wahlweise des Trachtenvereins von Hintervordertupfingen ist. Weit gefehlt! Vorsitzen bedeutet im Fall der Hundearbeit eigentlich nichts anderes als das der Hund nachdem er gerufen wurde, oder apportiert hat akkurat in einem Winkel von 90 Grad, mit einem Höchstabstand von 2-3 cm vor seinem Herren sitzt um ihm unterwürfigst seine Aufwartung zu machen. In dieser aufrecht sitzenden Position erwartet Hund nun sein Lob, sein Leckerchen oder jede andere Art von Bestätigung. Sollte dabei unter den gestrengen Blicken von Gundel 1-2 Grad oder etwas 2-5 Zentimeter Abweichung auftreten, folgt auf das Vorsitzen recht häufig ein Nachsitzen. Je nach Menge von vorhandener Kaffeemilch.

Fortsetzung folgt…..

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