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Mythen einer Hunderasse

5. September 2011
By Philippe Semeria (www.philippe-semeria.com) [CC-BY-3.0 (www.creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

Da das Wetter langsam wieder Labrador- und Gehirnkompatibler wird, möchte ich heute einmal wieder ausschließlich auf den Labrador Retriever eingehen. Und einmal mit vielen Mythen und Halbwahrheiten aufräumen die über ihn so geschrieben werden. Es ist auch durchaus möglich, das ich in späteren Artikeln noch genauer und tiefer in die Materie der einzelnen Mythen eintauchen werde, für den Anfang allerdings hier und jetzt eine kurze Abhandlung der populärsten Irrtümer über diese Hunderasse.

Der Mythos der Herkunft: 

Fangen wir doch einfach mal mit dem augenscheinlichsten Mythos des Labrador Retrievers an. Seiner bereits im Rassenamen verankerten Herkunft. Die ist so irreführend wie das meiste was über solche Hunde geschrieben wird. Ursprünglich sollen die Vorfahren dieses Hundes auch bekannt als „St. John Hunde“ aus Neufundland stammen. Dort diente er der Historie nach als Jagdhund und als Hilfe beim Einholen von Fischernetzen. Bestätigten Gerüchten zu Folge kam es in harten Wintern auch dazu das dieser schon damals stämmige Hund kurzerhand auch auf dem Speiseplan der Fischer landete. Jetzt Moment will man sich hier fragen. Nein, natürlich wird Labradorbraten heutzutage nicht mehr gepöckelt. Das ist auch sicher nicht die Frage. Wenn er aus Neufundland kommt, wieso heißt der dann Labrador. Das hat seinen Ursprung im guten alten England. Denn dorthin wurden die Urväter und Mütter dieser Rasse verbracht und man begann sie auf ihre jagdlichen Eigenschaften hin zu züchten. Da unsere Freunde von den britischen Inseln ja schon immer recht pragmatisch waren, entschieden sie, da Neufundländer schon belegt war, quasi etwas naheliegendes auszuwählen. Neufundland neben Labrador. Gut dann ist das jetzt eben nicht der Neufundland Retriever, sondern der Labrador Retriever. Also hat der Labrador mit dem Landstreich im Ansatz so viel zu tun wie Stalin mit der katholischen Kirche. Ein Hund, benannt nach einer kanadischen Provinz aus der er gar nicht kommt, gezüchtet in England.

Hier übrigens ein Foto des wahrscheinlichen Stammvaters aller heutigen Labradore. Ich präsentiere Avon!. Nein, der hat nix mit Kosmetik zu tun. (Obwohl wir nicht so genau wissen was seine Besitzer nach seinem Ableben mit seinen Knochen veranstaltet haben)

Stammvater aller Labradore

Meine ganz persönliche Theorie was die Herkunft dieser tollen Hunde angeht, ist aber eine andere. Aufgrund seines Verhaltens können wir davon ausgehen, das er der direkte Nachfahre von Cerberus ist. Genau, Cerberus der nette kleine Wauzi der den Eingang zur Unterwelt bewacht (hat). Die drei Köpfe des Stammvaters wurden zwar durch strenge Zuchtselektion und auf Grund der Massenverträglichkeit weggezüchtet, den Appetit für 3 Mäuler hat sich der Hund aber letztendlich bewahrt. Er ist aber nicht der einzige heutige Hund der in direkter Linie von diesem Urvater abstammt. Noch zu nennen wären hier der spaßbringende deutsche Jagdterrierr, der schwer zu reizende Pitbull, der in sich ruhende Jack Russel, und der stets arbeitsscheue badewannenliegende Border Collie, oder auch der höchst anmutige ..Mops.

Der Mythos vom weichen Maul:

Eine der größten Mythen über den Labbi überhaupt ist der Mythos vom weichen Maul. Ja, wenn man sich traut und einmal über die Lefzen dieser schönen Tierchen zu streichen, wird man sagen.. Schön weich, und nass… und voll Sabber. Stimmt also. Weit gefehlt. Der Mythos besagt das Labradore eine derartige Kontrolle über ihre Beißwerkzeuge besitzen, das sie ein rohes Ei mit der Schnauze transportieren können, ohne es zu beschädigen. Entschuldigung aber da lachen ja die Hühner die dieses Eier gelegt haben.

Fakt ist, ja der transportiert ein rohes Ei, ohne es zu zerbrechen. Genau er schluckt es nämlich im Ganzen, ansatzlos herunter. Das Ei landet unbeschädigt im Magen-Darm Trakt des Hundes.  Dem Mythos ist genüge getan. Versucht doch einmal einem Hund dieser Rasse ein beliebiges Leckerchen vor die Nase zu halten. Wer sehr mutig ist, wirft ihm dieses auch nicht in hohem Bogen zu. Der Hund wird mit seinen ach so kontrollierten Beißerchen nach dem Objekt seiner Begierde schnappen. Dabei macht er keine Gefangenen. Ist dein Finger im Weg, gut dann ist der halt die Sättigungsbeilage. Mit der Kraft eines Schraubstocks wird hier herzhaft grunzend zugegriffen. Die Attacke eines hungrigen weißen Hais wirkt hier im direkten Vergleich durchaus wie ein Kindergeburtstag mit Ronald Mc Donald. Das würde im Normalfall nicht einmal ein Ei aus Stahlbeton überstehen.

Der Mythos der drei Farben: 

Dieser Mythos besagt, in fast jeder Rassebeschreibung, den Labrador Retriever gibt es in drei Farbschlägen. Das ist schlichtweg falsch. Es sind nämlich vier Farben. Diese vier äußerst typischen Färbungen sind im einzelnen: „dreckig“ „sehr dreckig“ „saudreckig“ und „Verdammt ist der dreckig“. Die angeblichen Farben braun, gelb und schwarz sind nicht nachweisbar und gehören ins Reich der Legenden. Ebenso wie die nicht vorhandene Färbung „sauber“. Wichtig ist hier noch zu nennen, bei der Anschaffung eines solchen Hundes, schaffen Sie ihre Teppiche und hellen Einrichtungsgegenstände ab. Bemalen sie die Wände in dunklen Farben, und vor allem kleiden sie Ihre Böden mit leicht abwaschbaren Materialien aus. Es wird ihnen eine Menge Ärger, und Stunden mit dem Putzlappen ersparen.

Der Mythos der Intelligenz:

Wenn man viel über diese Hunderasse liest, gewinnt man irgendwann den Eindruck, das ist der Albert Einstein der Hunde (Futter=Menge x Wohlschmeckend im Quadrat). Denn sprichwörtliche Intelligenz wird ihm überall nachgesagt. Das ist leider ein Fehler. Labradore sind durchaus intelligent. Allerdings nur selektiv. Bei der Futteraufnahme wird diese Intelligenz vollständig abgeschaltet. Das Gehirn braucht die vorhandenen Ressourcen um die Kau- und Schluckwerkzeuge auch nur ansatzweise in Gang zu halten. Die Intelligenz schaltet sich aber augenblicklich wieder ein wenn es darum geht, Befehle seines stolzen Besitzers auszuführen. Wo andere Hunde den angeblichen „Will to please“ des Labradors zeigen, wird dieser genauestens überlegen, ob es sich in dem Augenblick rechnet dem Befehl folge zu leisten. Die Rechnung die er dabei aufmacht ist eine relativ simple: „Wenn ich jetzt das tue was der Mensch da von mir verlangt, wirds dem irgendwann langweilig mit mir, und das will ich ja nicht, denn ich bin ja freundlich“ Hier entstehen dann aufgrund dieser Überlegung des Hundes starke kommunikative Schieflagen zwischen Mensch und Tier. Und Hundebesitzer beginnt nach dem „aus der Haut fahren“ wieder ganz von vorne in der Ausbildung des Unbeugsamen. Ja, so wirds selten langweilig. Stets lauert eine neue Herrausforderung. Eine Fernbedienung für den Labrador ist folglich noch nicht erfunden. Böse Zungen mögen behaupten, für andere Hunderassen gibt es solche Apparaturen schon länger.

Der Mythos vom freundlichen Hund:

Dieser Mythos ist zumindest im Ansatz richtig. Labradore sind freundliche Hunde. Im Normalfall verspüren sie kein Verlangen nach Aggression, sondern erfreuen ihre Umwelt mit glockenhellem Freudegebell oder überschwenglichen Anspringorgien. Es kann doch nicht das Problem des Hundes sein, das andere das falsch verstehen. Der Labbi will erfreuen und kann sich in seiner liebenswerten Art einfach nicht vorstellen das es Zeitgenossen gibt die anders denken. Aus diesem Glauben heraus können zwischen Hund und Hund gern auch mal folgende Sätze fallen:

Pitbull: „geh weg, du Clown“

Labrador: „ach bist du aber ein netter kleiner Hund.. Wollen wir spielen?“

Pitbull: „ich sags nur noch einmal.. Gewinn Land“

Labrador: „aber schau doch mal wie freudig ich mit dem Schwanz wedel“

(Zensierte Szene roher Gewalt)

Labrador: „Ach Pittbull, jetzt hast du beim spielen aus Versehen mein Ohr entfernt.. Egal lass uns weitermachen“

(Der Pitbull stirbt augenblicklich an einem Anfall von Ungläubigkeit)

Gerne kommt von einem Labbi auch mal der Satz: „Ach lieber Hovawart, es ist total nett, das du den Fusel von meinen Kopf entfernt hast, es ist auch nicht weiter schlimm das du dabei die halbe Schädeldecke gleich mitgenommen hast“

Das Fazit daraus, ein Labrador ist wirklich ein freundlicher Hund, das geht sogar bis hin zur Selbstaufgabe. Hauptsache spielen und gut fressen.

Der große Loriot sagte einst: Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos. Ich möchte entgegenhalten, für mich ist ein Leben ohne Labrador auch möglich, nur wahrscheinlich langweilig.

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From → Hundesachen

5 Kommentare
  1. Ich stimme zu – mit Labbi ist immer Leben (und Dreck :-)) im Haus.

  2. OH MEIN GOTT!

    Sag mir bitte, dass du übertrieben hast als du vom Pitbull und dem Hovawart geschrieben hast.
    Ist das wirklich so passiert?

    LG,
    Steffi

    • Alle Teile des Labbis sind noch da wo sie hingehören, natürliche übertreibe ich gelegentlich ein wenig.

      Gruß

      Hupppi

  3. Diva permalink

    Klar kann man ohne Labbi leben, nämlich mit anderen Hunden! 🙂
    Super geschrieben!
    L.G. Diva

  4. sehr sehr Geil geschrieben, vielen dank!

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