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Anti-Maschinismus

9. Oktober 2011

Es gibt heutzutage echt noch Leute die noch nicht in der digitalen Welt angekommen sind, und ich spreche jetzt nicht von hochbetagten Rentnern oder etwa Kleinkindern. Nein, ich spreche von Menschen, die ansonsten mitten im Leben stehen, aber alles was mit Computer Internet und Technik zu tun hat scheuen wie Freund Luzifer eine Runde schwimmen im Weihwasserbecken. Und so merke ich wieder einmal, wie mein ganz persönlicher Blick auf die Welt, nicht zwangsweise für alle gilt. Ja es gibt sie noch, die Technikverweigerer, die „Ich hab keine Mailadresse“ Menschen und die die ernsthaft noch im großen Brockhaus nachschlagen wenn sie was suchen. Okay. Beim Brockhaus kann man sich zumindest zu 99 % sicher sein, das es stimmt was drinsteht. Beim vergleichbaren Internetdienst nicht immer. War man in den 70er 80er und 90er Jahren als Wehrdienstverweigerer oder Hausbesetzer ganz vorne dabei, ist das heutzutage auf alle Fälle der Netzverweigerer. Ich persönlich frage mich immer wieder, wie können diese Menschen heute noch überleben. So ganz „ohne“. Mich in deren Situation zu denken fällt nicht leicht, und es gibt mir ein Gefühl davon wie es wohl im Mittelalter war, wenn man sich als Mönch entschlossen hatte ein asketisches Eremitenleben in einer Berghöhle zu führen. Ganz abseits vom alltäglichen Geschehen. Und auf fromme Art und Weise auf seinem alten Sony Walkman Kassetten anhört?! Kassetten liebe Kinder, waren ein analoges Medium zum aufnehmen und abspielen von Musik oder Tönen aller Art, aus den finsteren Zeiten des letzten Jahrtausends.

Für einen Informationsjunkie wie mich, ein nicht nachzuvollziehender Schritt. Und trotzdem sie leben, diese Leute. Ich kann es bezeugen. Zwei meiner engsten Freunde gehören dazu. Was mich persönlich in den Wahnsinn treibt. Denn das höchste der Gefühle für die beiden Herren ist ein Mobiltelefon.. Nein kein Smartphone, noch nicht mal ne Brombeere… nein, einfach „Das Ding das es umsonst zum Vertrag dazu gibt“ Telefonieren, dafür ist es ja da, das soll man(n) damit können, ansonsten …… braucht kein Mensch. Für diese beiden Herren gilt immer noch der Grundsatz, des Zeitungslesen in Papierform, (Hallo selbst den Spiegel kann man heute in digitaler Form mit aufs Klo nehmen.. Wenn man das denn will) und dringende neuste Informationen werden auf dem Videotext geholt. Ich meine diese lustigen kleinen Bildchen auf dem Fernsehen in BTX Qualität von anno dazumal. Interessanterweise scheint es zu funktionieren, denn beide Herren sind weder verlottert, noch wirken sie ansonsten irgendwie weltfremd. Aber doch..schnell mal ne Mail mit den Fotos vom letzten Ausflug, oder der Party am Wochenende zumailen, fällt leider aus. Da kommen dann solche Sprüche wie:“ drucks mir halt aus“  Auch die Kommunikation im Alltag, und das gebe ich jetzt unumwunden zu, wird mit solchen seltsamen Menschen, einfach weniger. Das zu kapieren war Anlaß für mich mal nachzudenken ob es neben den Netzverweigerern auch noch andere Kategorien von willentlich, oder unwillentlichen Verweigerern der modernen Kommunikations- und Unterhaltungsmittel gibt. Und siehe da.. Es gibt sie.

Die zweite Kategorie sind die Leute, die zwar alles elektronische benutzen, damit aber das maximal mögliche Chaos anrichten. Lieblingsspruch solcher Menschen ist unter anderem der Satz: „Ich hab doch gar nix gemacht“ oder wahlweise „Das ist von ganz allein passiert“ oder aber auch „Was macht das Teil da ohne mein Zutun“. Während die erste Kategorie in meinen Augen nur leicht sonderbar ist, ist die zweite Kategorie potentiell gefährlich. Das sind die Menschen für die unter anderem Viren, Trojaner und sonstige elektronischen Lästlinge fabriziert werden. „Bitte hier klicken wenn sie Ihre Nachbarin nackt sehen wollen“. Das sind unter anderem auch die Menschen, die Bedienungsanleitungen von hochtechnischen Geräten für Papierverschwendung halten, und Warnhinweise beim installieren von gefährlichen Softwareprodukten aus dem Internet gepflegt in den Wind schlagen. Diese Art von Leuten surft im Internet ohne Virenschutz und wundert sich dann warum ihre privatesten Fotos auf gewissen Seiten erscheinen „Bitte hier klicken wenn sie ihre Nachbarin nackt sehen wollen“, eine Firewall halten sie für einen Begriff aus der Brandbekämpfung, und regen sich nebenbei auf warum ihr DVD Player von 1999 einfach keine Blue Ray abspielen will. Diese Leute schaffen es nicht, sich auf Facebook mal 5 Minuten Zeit für ihre Privatspähreeinstellung zu nehmen und wundern sich dann warum der Chef die Fotos vom Mallorca Saufgelage auf besagter Plattform bestaunen kann. Für diese Leute ist ein Computer nix anderes als eine Schreibmaschine ohne Farbband. Und so geht es mit jeder technischen Errungenschaft des letzten Vierteljahrhunderts. Ich frage mich allen ernstes wann einer von Ihnen kommt und fragt, was für ein Porto er auf die E-Mail kleben muss. Nur um hinterher festzustellen, das Briefmarken nur schwer von einem LCD Bildschirm ab zu bekommen sind.

Spaß beiseite. Denn jetzt kommen wir zur ultimativen Kategorie der Anti-Maschinisten. Die, die unter anderem dafür verantwortlich sind das der Handel mit Neuwaren im Elektronikbereich nie abreisst. Es sind die Zerstörer. Die lebendig gewordenen Gremlineffekte. Die Leute die dafür sorgen das fein gearbeitete Elektronik eingeht wie ein Alkoholiker in der Milchbar. Von vorsichtiger Behandlung hochsensibler Konsumgüter haben diese Leute noch nie was gehört. Ganz im Gegenteil. Mit der tödlichen Präzision eines grobschlächtigen stark behaartem Hufschmieds werden hier die Perlen der modernen Technik behandelt wie glühendes Metal auf einem Amboss. Knöpfe werden unsinnig gedrückt bis sie unter der Last zerbrechen, glatte Oberflächen werden als Abstellgelegenheit für Gläser genutzt (was soll man auch sonst mit einem Tablett machen), unschuldige Navigationsgeräte mit sinnlosen Befehlen gefoltert bis der Prozessorkern nachgibt. Es soll auch vorkommen, das auf den bloßen Blick einer solchen Person schon Plasmafernseher in sich implodiert sind. Ja ich zeichne hier ein grausames Bild, und das ist mir durchaus bewußt. Aber solche Dinge sollen und müssen angesprochen werden. In dem Moment, in dem solche Leute einen Raum betreten vernehmen elektronische Geräte den leisen Ruf „Stirb… „ Und was soll ich sagen. Es ist so! Ich frage mich ja häufig, ob diese eigentlich hochbegabten Personen nicht von Großkonzernen ausgebildet, und strategisch in mindestens jedem dritten Haushalt platziert werden. Eben um dafür zu sorgen das der Bedarf an solchen Geräten nicht abreißt. Sind diese Menschen ausgebildete Schläfer die selektiv zuschlagen, oder ist es einfach nur Unvermögen oder mangelndes Interessen? Ich weiß es nicht, aber der Verdacht liegt doch recht nah, das eine dieser beiden Varianten zutrifft.

Ich beende diesen Eintrag jetzt, um mein geliebtes Schreibgerät in Sicherheit zu bringen, mich beschleicht der Verdacht, das gleich jemand um die Ecke kommt um das Farbband zu wechseln.

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From → Alltags-Tücken

3 Kommentare
  1. Bin gerade am Überlegen, welche Einzelheiten aus Deinen Kategorien wohl auf mich zutreffen könnten. Ich hab gar nix gemacht oder doch? Vielen Dank für die unterhaltsame Sonntagslektüre.

  2. Diva permalink

    Ich wars nicht! 🙂 Gut gelacht am frühen Montag morgen. Danke!

  3. lumir permalink

    In Namen des Herren wie hast tu meine Berufung Rausgefunden !
    luminux

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