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1,2, oder 3….

13. Oktober 2011

Es ist mal wieder soweit. Ich wiederhole mich ja vielleicht, aber der Labrador an sich frißt gern. Und ausser das durch diese übermässige Freude am Kaugenuß besagte Hunderasse auch gern zum Übergewicht neigt, kommen letztendlich noch andere Problematiken dazu. So wie gerade bei unserem Herrn Hund. Irgendwie verträgt er die Futtersorte nicht mehr. Das äußert sich in sich selber kratzen, sich selber beißen und seinen Besitzer damit in den Wahnsinn treiben. Mein Tierarzt, dessen Motoryacht ich ja bereits aktiv mitfinanziere, erklärte mir: Das ist eine Allergie. Wogegen? Weiß er auch nicht, ist ja auch schwer zu sagen. Liegt aber wahrscheinlich an: *hier bitte lange und ausführliche Erklärung in Fachchinesisch ihrer Wahl einfügen, und öfter das Wort „Eiweißträger“ benutzen*  Auf alle Fälle wäre wohl das von mir erwählte Trockenfutter der Quell des Übels, das sollte ich vielleicht mal wechseln. Wie mir gesagt wurde, am besten auf Diätfutter der Marke *sehr teuer* die ich auch gerne über den Tierarzt direkt beziehen könnte. (Schließlich muss die Liegegebühr für dich Yacht ja auch bezahlt werden). Ein paar Spritzen später stand ich ausgestattet mit dem guten Ratschlag des Ausschlußverfahren vor der Tür der Praxis und mir kam der Ausspruch von Goethe in den Kopf: „Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor.“ Was der Dichterfürst hier allerdings vergaß zu erwähnen, mal wieder um ein paar Euronen leichter. (Die hätte ich auch zur Sanierung des griechischen Staatshaushalts verwenden können).

Irgendwie dachte ich so bei mir selber, da kann doch was nicht stimmig sein. Als wolle er mir recht geben kratzte sich mein Hund gleich ausführlich an einer seiner bevorzugten Stellen. Und so machte ich mich auf, meine Einstellung zu Hundefutter im allgemeinen und der Fütterung meines ewig hungrigen Clowns im speziellen zu überdenken. Das war der Beginn einer langen Reise. Denn wie so oft befragte ich als allererstes das große Orakel. Für alle die, die das jetzt nicht verstanden haben, ich zog das Internet zu Rate. Nach einigen Recherchen war es sonnenklar. Wie kann ich mich erdreisten meinen Hund anständig ernähren zu wollen ohne einen Doktor in Lebensmittelchemie zu halten. Was ich da zu lesen bekam verstand ich nicht im Ansatz. Tut mir leid Hund, du wirst wohl verhungern müssen, weil ich nicht in der Lage bin seitenweise Nährstofftabellen richtig zu deuten, Inhaltsstoffe zu identifizieren, und schon gar nicht weiß was genau jetzt tierische Nebenprodukte zu bedeuten hat. Da gibt es Cracks, die über Milligramm von linksdrehenden Fettsäuren diskutieren, und ich frag mich allen Ernstes… stirbt der Köter wenn er ein Milligramm davon weniger bekommt? Letztendlich ist es ja so, es gibt drei Gruppen von Futterfanatikern die sich gegenüber stehen wie Nato, Warschauer Pakt und äh.. die OPEC zur Zeit des kalten Krieges. Nur mit dem Unterschied, die warten nicht ab, bis der andere einen Erstschlag plant, nein die schlagen sofort zu. Frei nach dem Motto, wer am lautesten schreit, hat sicher recht. Die drei Gruppen kann man grob als die Trockenfütterer, die Nassdosenfütterer und die BARFer klassifizieren Selbst innerhalb dieser drei Gruppen, gibt es noch Unterströmungen die das eine oder andere als den heiligen Gral der Hundefütterung bezeichnen.Wie ihr euch denken könnt, sind mir das aber schon wieder zu viele Details. Wie in manchen Sachen im Leben allgemein, oder in der Welt der Hundemenschen ganz speziell ist das akzeptieren anderer Meinungen als der eigenen hier meist schon von vornherein ausgeschlossen. Sei´s drum. Ich bilde mir jetzt einfach auch eine Meinung, so ganz ohne das große Detailwissen.

Ich persönlich gehöre ja bis dato zu der Gruppe der Trockenfütterer, und das gebe ich offen zu. Vor meinem geistigen Auge sehe ich jetzt Anhänger der anderen beiden „Religionen“ schon mal das Feuerholz für meinen Scheiterhaufen aufschichten..brenne Tierquäler. Die Entscheidung dafür meinen Hund mit leckeren Kroketten zu versorgen fußte ursprünglich auf der Idee, ihm so alle Nährstoffe in komprimierter Form zukommen zu lassen die er in seiner Entwicklung braucht. Tagtäglich stand ich da und habe mit einer Waage und einem Messbecher aufs Gramm genau die Menge abgewogen die er bekommen sollte um ein großer schöner gesunder Labrador zu werden. Ganz wie uns die lustigen Werbefilmchen verschiedener Futtermittelhersteller glauben machen wollen. „Geben sie ihrem Labrador unser extra Labradorfutter der Sorte 666, das ist speziell auf den Bedarf eines braunen kastrierten Labbis um die 30 Kilo mit einer Schulterhöhe von 57 cm zugeschnitten, der an einem Sonntag im Juni geboren ist, und genau drei Geschwister hatte von denen zwei blond waren“ Das klingt super, oder? Alle Sorgen werden einem abgenommen, durch den Einsatz eines Alleinfuttermittels. Auch gibt es da neben den großen Konzernen, die kleinen Guerillafirmen, die eben alles anders machen als die großen, deren Trockenfutter sogar dafür sorgt das sich der Kot des Hundes richtig färbt. Dieses Trockenfutter kostest ebensoviel wie die der großen, ist aber keinesfalls „Müll in Tüten“ wie einer dieser Hersteller über das Trockenfutter urteilte das ich vor meinem Besuch in seinem Laden verfütterte. Der Scheiterhaufen wurde gerade von den Anhängern der Guerilliatrockenfütterer um einen Meter erhöht. In so einem harten Fall wie meinem vereinen sich die drei großen Futterreligionen, zumindest teilweise… brenne elender Tierquäler! Die Entscheidung für Trockenfutter klang doch eigentlich logisch, ich wiederhole: Alle Nährstoffe die er braucht zur rechten Zeit immer verfügbar“. Das Fell stinkt nicht so, er hat keinen Maulgeruch. Es müffelt nicht in der Küche..und so weiter und so weiter. Aber wenn ich ehrlich bin, der Hauptgrund ist oder vielmehr war, es ist so schön bequem und einfach und leicht zu kontrollieren. Nun ja, die Tatsache, das sehr viele Stoffe drin sind die ich nicht kenne, und das der Hauptbestandteil, wie ich lernen durfte, einfach nur Getreide ist das habe ich lange ignoriert oder einfach gar nicht wahrgenommen. Vor kurzem sagte die promovierte Biologin Dr. Chantalle Aufstand zu mir: Weißt du, wenn der liebe Gott gewollt hätte das unsere Hunde Trockenfutter fressen, hätte er ihnen Hühnerschlünde verpaßt“ Das brachte mich zum Nachdenken. Und nun ist Schluß mit der bequemen Astronautenkost.

Wenn ich das nicht mehr füttere, was soll er dann bekommen, fragte ich mich. Die Gruppe der Nassdosenfütterer erinnert mich irgendwie an meine Studentenzeit, in der ich auch gerne mal Ravioli aus der Büchse nahm. Falls gerade kein Topf verfügbar, konnte man das Zeug auch praktisch in der Dose erhitzen. Lecker. „Ein ganzer Kerl, dank Schlappi“ schoß mir da auch noch durch den Kopf, und so denke ich mir, ne Dose ist schon okay, wenn das richtige drin ist und es einfach mal schnell gehen soll. Sterben wird er davon sicher nicht gleich. Aber so ausschließlich und nur?! Ne, da muss noch was anderes her. Und plötzlich veränderte sich die Zusammensetzung des Mobs vor meinem Scheiterhaufen… die Leute wechselten, aber das Ergebnis bleibt das gleiche…brenne Tierquäler, Elender!

Gundel und Chantalle wagten einen Vorstoß und meinten ganz unumwunden, das beste ist, du barfst den verfressenen Staubsauger. Es war ausgesprochen, das Wort das die Hundemenschen teilt wie Moses das rote Meer. BARF, war für mich bisher das elitäre Konzept der ganz genauen und Einheitlichen. BARF hört sich nach viel Arbeit und Aufwand an, und ich hatte bisher immer das Gefühl mein Hund würde damit nicht alles bekommen was er benötigt. Da würden sicher Mangelerscheinungen auftreten. Wenn man jetzt aber mal überlegt, was so ein Hund, wenn er wild lebt frißt. Da stellt sich die Frage auch nicht nach „alle Nährstoffe zu jederzeit“. Leider kommt ihm da ja auch nicht das praktische Nährstoffpaket auf vier Beinen pünktlich zwei mal am Tag entgegen und sagt verführerisch: „Friß mich, du Gierschlund du!!“ Und wenn ich an mich selber denke, wirds noch deutlicher. Ich persönlich pfeife auf Nährstoffe. Ich esse was mir schmeckt, und damit fahr ich seit fast 4 Jahrzehnten ausgesprochen gut. Ein weiteres Vorurteil, das ich bisher pflegte ist neben Aufwand und Arbeit, auch der Umstand das BARFen eine Wissenschaft für sich sei. Nun gut, wenn ich so die Foren über all die anderen Fütterungsarten lese, fällt mir auf, auch Trockenfutter ist ein ernstzunehmendes Wissenschaftsgebiet. Siehe..Doktortitel in Lebensmittelchemie. Ich stieß auch interessanterweise auf eine Seite im WWW, auf der von einer Dame, die seit 25 Jahren auf diese Weise füttert darauf hingewiesen wird, mal die Kirche im Dorf zu lassen. Sprich, nicht den Anspruch zu verfolgen alles immer genau dosiert und abgewogen zu füttern. Und irgendwie sagte eine Stimme in meinem Hinterkopf: „Die hat nicht unrecht“ Spontan bestellte ich mir eine Broschüre besagter Dame für den Wahnsinnspreis von 5 Euro, und schaute mir ihre Ideen und Tipps an. So schwer und unverständlich wie vermutet war das nicht. Dann kam noch dazu das ich mich an den Pudelmischling meiner Großmutter erinnerte, der Zeit seines Lebens mit allem gefüttert wurde was gerade da war. Hat man dem ein Stück Trockenfutter hingelegt, die Mutter aller Trockenfutter aus dem Supermarkt, dann hat er damit gespielt, aber gefressen..denkste. Der Hund wurde übrigens 17 Jahre alt, und war bis zum Schluß aber sowas von gesund. Das alles in Kombination trieb mich also erst einmal zur nächsten Metzgerei um für meinen Hund frisches Fleisch einzukaufen. Die Damen in besagter Metzgerei schauten mich recht seltsam an als ich nach Rinderinnereien für die Rohfütterung eines Labbis fragte. Hätte ich gesagt:“ich hätte gerne zwei Liter Rinderblut für ein satanisches Ritual“ wäre der Blick sicher ähnlich gewesen“. Seis drum, plötzlich taten sich verschiedene Quellen für gewolftes oder in Stücke geschnittenes Rohfleisch zur Hundeernährung auf, und das große Abenteuer konnte beginnen. Beim allersten Mal als ich ihm gewolftes Rindfleisch in den Napf warf, und mich schon freute das er jetzt wohl herzhaft zulangen würde, da schaute mein Hund mich an als ob ich ihn vergiften wolle. Erst nach der Zugabe von einigen Kroketten seiner früheren Leibspeise.. „Labrador 666“ fing er munter an zu schmatzen. Das ist jetzt nicht mehr nötig, und so sieht man mich des häufigeren in der Küche stehen, Fleisch zerkleinern, Gemüse mixen und mit einem Hackbeil Knochen zertrümmern. Das hat was natürliches, oder was von besagtem Ritual und ich spüre geradezu den Ruf der Wildnis. Tari ist das mit dem Ruf ziemlich wurscht. Er frißt wieder wie ein Scheunendrescher. Übrigens läßt das kratzen und beissen nach. Obs am Futter liegt? Keine Ahnung. Es könnte ja auch daran liegen das: *hier bitte lange und ausführliche Erklärung in Fachchinesisch ihrer Wahl einfügen, und öfter das Wort „Eiweißträger“ benutzen* Trocken, Nass oder BARF, das kommt mir langsam so vor, wie in der guten alten Spielshow von und mit Michael Schanze. 1, 2 oder 3… ob ihr richtig steht, wisst ihr wenn das Licht angeht. Ich hab mich jetzt erstmal für dieses rohe und artgerechte Konzept entschieden, denn es scheint mir durchaus schlüssig. Ich steh jetzt da, auf der 3 und warte das das Licht angeht. Bin mal gespannt obs so kommt.

Und so begibt es sich das ich, wenn mein Hund zum Napf kommt nicht mehr „nimm“ sag, sonder stilsicher wie der Hexenkönig von Angmar auf dem Pelennor seinem possierlichen Flugsaurier den Befehl gab, sich am Kadaver von Schneemähne zu laben ausrufe: „Friss dich satt an seinem Fleisch“

Das muss allerdings zügig geschehen, bevor Eowyn Trockenfütterer und Meriadoc Dosengeber mich in Richtung Scheiterhaufen zerren…. Brenne Tierquäler! 

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From → Hundesachen

8 Kommentare
  1. DivaDiva permalink

    Super geschrieben. Habe mich köstlich amüsiert!
    Ich gehöre auch zu der Fraktion der Barfer. Aber nicht so fanatisch wie manch andere , die alle und jeden davon überzeugen möchten.
    Letztendlich muß es jeder selber wissen. Ich barfe seit fast drei Jahren meine Hunde und bin überzeugt davon, das es bestimmt gesünder ist, als die meisten herkömmlichen Fertigfutter.
    Diva ist empfindlich, sie hat auch Allergien. Habe auch schon verschiedenste Trockenfutter probiert die sie alle nicht gut verträgt. Von den einen bekommt sie Durchfall von den anderen Juckerei mit großen blutigen Stellen. Ich probiere nichts mehr aus mit ihr. Sie bekommt nur noch das was sie verträgt.

    Trotzdem würde ich niemals Leute veurteilen die ihrem Hund Fertigfutter verfüttern.
    Ein früherer Hund von mir hat sein ganzes Leben nur Trockenfutter bekommen, er war nie krank und wurde über 16 Jahre alt. So schlimm kjann es also auch nicht sein.

    Und, ernähren wir Menschen uns IMMER nur gesund? Die meisten wohl eher nicht! 🙂

    Barf ist sehr gut ,keine Frage, es scheint anfangs komplizierter als es ist. Man sollte sich nicht verrückt machen und auch keine Religion draus machen. Es st einfach nur Futter!

    Beim Metzger das Fleisch zu holen wird mit der Zeit nur etwas teuer. 🙂
    Hier gibt es eine Liste von Fleischlieferanten:
    http://www.gesundehunde.com/sites/ernaehrung_002.php

    L.G. Anja

    • Hallo Anja, danke für das Lob und den Tipp mit den Fleischlieferanten. Bei unserem Metzger hab ich Glück, das die selber schlachten und so fällt für wenig Geld einiges ab. (1 KG Pansen und ein Kilo Herzlich für nicht mal 3 Euro)
      Verurteilen tue ich auch niemanden, wie ich ja sagte, das ist echt eine individuelle Sache. Unserer hat auch beim Trockenfutter mal Durchfall und auch die offenen blutigen Stellen bei nem anderen bekommen. Deswegen jetzt BARF. Ich werde berichten ob sich was gebessert hat:-)

      L.G. Huppi

    • Auch wenn ich zumeist „trocken“ füttere, werde ich mir den Link gut merken.Man kann ja nie wissen :-). Danke.

  2. Diva permalink

    Hallo Huppi
    Das ist ja sehr gut mit dem Metzger der selber schlachtet. Das ist wirklich günstig. 🙂
    Die Allergie wird sich garantiert bessern. Und die Kothaufen werden viel kleiner, weil das Futter besser verwertet wird.
    Manchmal kackt Diva die reinsten Dackel Häufchen! 🙂
    L.G. Anja

  3. Danke für den – wieder immer – witzig und spannend geschriebenen Artikel. Ich habe dabei geschmunzelt, weil mir wieder sehr viel bekannt vorkam. Bislang gehöre ich noch zu den Trockenfütterern (vielleicht auch ein wenig aus Bequemlichkeit). Ich achte lediglich auf die Qualität und wegen Labrador natürlich auf die Menge. Bislang scheint es dem Hund auch nicht schlecht dabei zu gehen. Wenn es allerdings bei uns Koteletts gibt, hat auch unser Labrador ein wenig an dem Fleisch teil und erfreut sich anschließend an den Knochen. LG

  4. lumir permalink

    Neeeee !!!!!
    Das darf ja Garnicht wahr sein ,da kommt ja schon wieder das öko Wort „ BARF“ !!!!!
    Tierquäler!
    Noch nicht von Naturkost gehört ( Hunde , Pferde,Katzen Kot ???????????)
    Tierquäler!
    FHBDHG* ist auch eine variante !!!!!!
    *„friss oder hol dir was besseres bei deinem Herrn und Gebieter !!!! „
    Das Feuerholz für deinen Scheiterhaufen ,von wegen den der Winter steht von der Tür.
    Das brauche ich für mein Holzofen!!!!!!!

  5. Diva permalink

    Eventuell auch noch interessant für dich:
    http://www.barf-fuer-hunde.de/futterplaene-a-33.html

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