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Hund-Fu Wörterbuch, Teil 2

4. November 2011

Nach vielen anderen Themen wird es nun mal wieder Zeit, sich der hohen Kunst der Hundeerziehung zu widmen, dem Hund-Fu. Ich persönlich bin in dem Bereich ja immer noch blutiger Anfänger, und so begegneten mir in den letzten Monaten wie schon im ersten Teil beschrieben Wörter und Sätze, deren Bedeutung mir nicht auf Anhieb klar waren. Und damit das nicht den Rahmen sprengt, habe ich das in verschiedene Teile „zerlegt“ (So wie es gerne das ein oder andere Mal mit dem Wauzi auch tun würde). Hund-Fu ist für den Anfänger alles andere als eine einfache Sache, und die Verwirrung ist nun mal groß. Alte Hasen reagieren bei den Kommandos prompt und ohne Nachzudenken…als Anfänger hat Jung-Hunde-Besitzer da schon durchaus Barrieren die sprachlich wie auch in der Ausführung der Befehle extreme Diskrepanzen zum Beabsichtigten beinhalten können. Aber lange Vorrede, kurzer Sinn, hier der zweite Teil des Hund-Fu Wörterbuchs.

1. Revieren

Hier handelt es sich mitnichten, wie man jetzt denken möchte um die Erklärung des Umstandes an einem Samstag Abend alle Kneippen im Ruhrgebiet besuchen zu wollen. Im Anschluß daran würde dann sicher das „Kriechen“ folgen. Nein hier handelt es sich wieder einmal um einen Begriff aus der Jagdhundeausbildung, Ihr erinnert euch, Jagdhundausbildung ist der Teil des Hund-Fu, an dessen Ende Menschen in gewagtem grünen Outfit unter starkem Alkoholeinfluss sich gegenseitig mit grobem Elefantenschrot vollpumpen. Das Ganze stets mit einem munteren „Weidmanns Heil“ oder „Halali“ auf den Lippen. Beim Revieren wird der Hund, mit Vorliebe ein Retriever, dazu gebracht auf einem vorher eigens abgesteckten Areal mehrere Dummys, Bringsel oder im Härtefall Tretmienen aufzuspüren und zu seinem Hundeführer zu bringen. Die Anzahl variiert je nach Ausbildungsstand zwischen zwei und.. Naja.. Soviel man halt gerade von den Dingern da hat. Der Hund wird hier vom tapferen Hundeführer ins Areal geleitet und mit einem munteren „revier“ auf die Suche geschickt. Das ganze unter Zuhilfenahme von eindeutigen Handzeichen Links rechts geradeaus. Mal ehrlich, wer will bei solch einem Herzerwärmenden Vorgang schon noch nach eine Eckkneippe in Dortmund-Dorstfeld?

Ziel des Revierens ist es, das Weidmann nachdem er seine unterdrückten Alltagsagressionen, seine systemischen Schieflagen oder auch gerne einfach die nicht zu ändernde Unterdrückung durch seinen Ehepartner an Enten oder sonstigem Federvieh ausgelassen hat, seinen Retriever dazu veranlaßen kann das Beutegut einzusammeln. Unbestätigten Gerüchten nach, wird das verschossene Schrot anschließend durch kleine erdnahe Hunde dem sogenannten Schrot-Terrier aus dem Federvieh entfernt.

2. Ablegen

Das war Anfangs ein Befehl mit dem ich geistig kurz in Konflikt geraten bin. Ablegen.. Wie durfte ich mir sowas vorstellen? Ich trage meinen Hund ja nicht wie einen Kartoffelsack auf der Schulter. „Leg den da mal ab“, nach kurzem Umsehen war mir auch klar, das mit dem Befehl ablegen nicht das Ausziehen der Kleidung gemeint war. (Auch dies kann durchaus zu peinlichen Situationen führen) Nein, ablegen bedeutet im Grunde nichts anderes als den Vierbeiner zu einer ruhigen schattigen, bei manchen Hunden nicht zu nassen Stelle zu führen, und ihn dort mithilfe des Kommandos „Platz“ dazu zu bringen sich hinzulegen und auf der Stelle zu verharren. Hat der Hund diese Position eingenommen, reden wir nicht mehr vom Ablegen, sondern von der Ablage. Was auch ein Bestandteil der sagenumwobenen Begleithundeprüfung ist (Dazu irgendwann später mehr). Wautzel hat dann in korrektem Beamtendeutsch in der „Ablage ruhig zu verbleiben“ ohne zu winseln, zu kriechen oder etwa Gras und Unrat aufzunehmen. Auch das interessierte Bespringen einer nebenanliegenden Hündin ist strikt zu vermeiden. Die besten Ergebnisse werden hier mit Hunden der Rasse „Steif“ oder allgemein „ausgestopft“ erreicht.

3. Obidience 

Als ein großer Befürworter des Benutzens von englischen Begriffen im deutschen Sprachgebrauch war es für mich natürlich sofort klar was Obidience bedeutet. Gehorsam! Das kennen viele männliche Hundefreunde meines Alters ja noch vom Kasernenhof. Im Gegensatz zum guten alten Kommiss wird hier aber nicht ein ganzes Rudel von Rekruten herumkommandiert sondern nur ein einzelner Hund. (Sozusagen jedem Tierchen sein eigener Spieß). Gehorsam! ist eine sogenannte Hundesportart. Viele böse Zungen behaupten eine typisch deutsche. Stimmt aber nicht..kommt aus England. Genau wie die inoffizielle Hymne der Gehorsamsfreunde „Master and Servant“ von Depeche Mode. Um gleich mit weiteren Halbwahrheiten aufzuräumen, Ganzkörper-Gummibekleidung kommt im Gehorsam! nur dann zum Einsatz wenn es in Strömen regnet (Ganz nach den Vorgaben der Hund Couture), Ketten, Peitschen oder gar Reitgerten werden nie oder nur in seltensten Notfällen eingesetzt. Beim Gehorsam! geht es darum Übungen und Befehle harmonisch, schnell und exakt auszuführen. Exakt bedeutet hier, auf den Punkt genau. Wurden hier früher in grauen Tagen der vordigitalen Welt mit Augenmaß oder eventuell Lineal und/oder Winkelmesser gearbeitet, kommen zur genauen Bestimmung des Standortes und des Winkels des Hundes zu seinem Hundeführer heute moderne GPS Geräte und Satelliten zum Einsatz. Eine Abweichung von 0,5 mm wird hier gnadenlos mit Disqualifikation bestraft. Daraus folgt, Gehorsam! ist nix für Weicheier und Panzergrenadiere. Es ist quasi die Champions League des Fußgehens, die Olympiade der Ablage und die WM im Positionswechsel auf Entfernung. Natürlich im eigenen Land. Als Anmerkung möchte ich noch hinzufügen, eine Übertragbarkeit ins tägliche Eheleben ist meist nicht erfolgversprechend.

4. Vorstehen

Vorstehen hat, wie man sich jetzt sicher denken kann, nix mit dem Vorstand einer AG, eines Vereins oder eines Zellenblocks zu tun. Nein es ist, wie könnte es anders sein, mal wieder was aus der grünen Jagdhundszene. Vorstehen bedeutet das ein dafür ausgebildeter Hund, ein Vorstehhund, oder Pointer oder was auch immer durch verharren in einer sehr steifen Körperhaltung anzeigt in welcher Richtung wohl das Wild zu finden sei. Ähnlich wie ein Straßenschild auf dem steht „Ihr nächster Blattschuß in 1,5 km“ Diese Art des Arbeitens hilft dem Weidmann sehr, seine schwere mitgeschleppte Munition loszuwerden. Und das beste daran, diese Art des anzeigens ist den Hunden quasi in die Wiege gelegt. Nur kultiviert werden muss es noch. Das ist ähnlich wie das gierige nimmersatte Fressen beim Labrador, oder die verschmuste Ader eines Pitbulls.

Die FCI führt diese illustre steife Hundegesellschaft in der Gruppe 7 unter dem Überbegriff „Vorstehunde“ Schillernde Rassen wie der Pudelpointer, der große und kleine Münsterländer und Setter jeder Art werden zu dieser Gruppe gezählt. Allein schon bei den Namen kommt doch Jagdlust auf.

5. Ohne Leine Fuß.. 

Das mag jetzt wieder einmal klingen wie auf dem Kasernenhof. Zumindest kam mir das beim ersten Erklingen dieses Weisung so vor. „Ohne Tritt marsch..“ sprach früher der Feldwebel wenn die Kompanie in lockerem Trab gemeinschaftlich einem Ziel entgegensteuerte. Im Hund-Fu hat „ohne Leine Fuß“ natürlich nix damit zu tun. Hierbei handelt es sich lediglich um ein Kommando mit der die Freifolge eingeleitet wird. Das ist exakt ausgeführt schon mal eine Übung der mittleren Schwierigkeit. Kann der Jung-Hunde-Führer beim normalen „Fußgehen“ im Notfall noch mit Hilfe der Leine Einfluß auf den bockigen Hund nehmen, (Ein Schleudertrauma sollte hier allerdings nicht in Kauf genommen werden)  ist das in der Freifolge nicht mehr möglich. Hier wird erwartet das Köter um Aufmerksamkeit heischend neben seinem Besitzer herläuft und ihn stets hoffnungsfroh anblickt. Die Beine werden dabei geschwungen als wäre der Hund ein junger Lipizzaner. Ein Bild das Herzen erwärmt (auch das vom Feldwebel) wenn´s dann funktioniert. Denn das Leben hat bei der Freifolge viele Hindernisse eingebaut die dieses harmonische Bild ins Wanken geraten lassen. Die Klassiker sind unter anderem: Eine Hündin (nur beim Rüden), Ein Rüde (Nur bei Hündin), heruntergefallene Leckerlies (Nur bei Labradoren) Verdauungsvorgangshinterlassenschaften (Bei allen Hunden) Blümchen, Bienchen und alles was da kreucht und fleucht. Nach langer Tage harte Arbeit ist es dann irgendwann einmal so weit, mit Hilfe von Klicker, Target, stimmlicher Motivation und nach dem Verlust mehrerer Finger läuft das Tier neben dir als wäre es mit Sekundenkleber an deinem Oberschenkel (bei kleinen Hunden eher am Knöchel) festgeklebt. Diese Freifolge wird dann sportlich auch als ein Teil des Gehorsams! betrieben. Entgegen aller Gerüchte ist es hier aber verboten den Vierbeiner am Hosenbein festzutackern.

6. Die Begegnung 

Es hallt mir immer noch in den Ohren. Bei einer unserer ersten Stunden tönte plötzlich der Ruf „Macht mal eine Begegnung“. Was um alles in der Welt sollte das heißen? Welche Form der Begegnung ist hier gemeint? Eine flüchtige? Eine der dritten Art? Oder gar eine Fußballbegegnung? Nein.. alles falsch! Bei der „Begegnung“ handelt es sich um ein simuliertes Zusammentreffen zweier Hundeführer in freier Wildbahn. Ähnlich wie bei jedem guten Western Show-Down bewegt man sich auf einander zu bis man das weiße im Auge des Gegenübers erkennen kann. Der geführte Hund sollte im Idealfall eine sitzende Position an der linken Seite seines Herrchens, oder auch Frauchens einnehmen und den gegenüber sitzenden Hund nicht, oder minimal beachten. Bei einem jungen Labrador, heißt minimal beachten natürlich, leichtes anschnüffeln gepaart mit kleineren Aufreitversuchen, gelegentlich unterbrochen von sanften Spielaufforderungen. Nach kurzem informativen Gespräch sollten sich die Wege der Hundeführer wieder trennen, und die Hunde klaglos folgen. Nun gut, es gibt auch Dinge die eben nicht gleich auf Anhieb klappen müssen.

Soweit zum zweiten Teil des Hund-Fu Wörterbuchs… Fortsetzung folgt.

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One Comment
  1. Danke für die „Weiterbildung“. habe geschmunzelt und freue mich schon auf den nächsten Teil. LG

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